Psychologie
Die größte Gefahr des Lebens ist, dass man zu vorsichtig wird. Alfred Adler
Für Adler sind alle Probleme letztendlich Beziehungsprobleme. Und eine der schwierigsten Aufgaben besteht darin, uns von dem Wunsch, von allen gemocht zu werden, zu verabschieden. Wir haben einen freien Willen, sind Wesen, die ihren Impulsen widerstehen können, Dinge zu tun, nur, weil sie uns in den Augen anderer besser aussehen lassen.
Adler appelliert an uns, über folgende Fragen nachzudenken: Wie viel von uns selbst wollen wir aufgeben? Oder ist es nicht vielleicht besser zu akzeptieren, dass es immer Menschen geben wird, die uns ablehnen. Egal, was wir tun.
Verstehe: Du wirst niemals von allen gemocht werden!
Wahre Freiheit besteht darin zu akzeptieren, dass andere eventuell nicht mit unseren Handlungen einverstanden sind, sich im schlimmsten Fall sogar von uns abwenden. Sobald wir anfangen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, werden wir zwangsläufig auf Widerstand stoßen. Doch wir sind niemals frei, solange wir nicht damit beginnen, unseren eigenen, authentischen Lebensstil zu finden. Wer glücklich sein will, braucht laut Adler Mut. Und Konsequenz. Der Tiefenpsychologe geht noch weiter: Wir müssen damit aufhören zu glauben, dass wir für unsere Aktivität in irgendeiner Form Anerkennung bekommen oder belohnt werden. Stattdessen sollen wir einfach Gutes tun, weil wir es so wollen. Wenn wir den Mut haben, authentisch zu sein und zu handeln, wird sich der Großteil unserer zwischenmenschlichen Beziehungsprobleme in Luft auflösen. Vielleicht werden Menschen zu uns auf Abstand gehen, doch das müssen wir akzeptieren. Auf jeden Fall stellen wir uns nicht länger quälende Fragen wie: Was empfindet mein Gegenüber für mich?
Egozentriker pflegen Kontakte mit anderen hauptsächlich unter dem Aspekt: Was bringt mir dieser Mensch? Doch Erwartungen werden naturgemäß oft enttäuscht, da unser Umfeld nicht dazu da ist, diese zu erfüllen. Egozentriker reagieren darauf verärgert, fühlen sich oft zutiefst verletzt. Aus dem vermeintlichen Freund wird rasch ein Feind. Echtes Zugehörigkeitsgefühl ist etwas, das wir durch eigene Anstrengungen erreichen – nichts, was uns bei der Geburt geschenkt wurde. Es geht darum, für andere hilfreich zu sein, ohne zu erwarten, dafür als „gut“ beurteilt zu werden. Wir sind für andere von Nutzen, ohne dass wir von unserem Weg abweichen müssten, um dafür Anerkennung zu erfahren. Der Wunsch nach Bestätigung ist immer ein Indiz, dass wir noch kein echtes Gemeinschaftsgefühl entwickelt haben. Glück definiert Adler als das aus eigener subjektiver Sicht entstandene Gefühl, dass wir etwas zum Wohl der Gemeinschaft beitragen. Denn jeder Mensch möchte fühlen, dass er einen Wert hat. Möchte sich selbst mögen. Indem wir uns für die Gemeinschaft engagieren, erfahren wir etwas über unseren wahren Wert. Unseren Selbst-Wert.
Akzeptiere, was ist – und wer du bist.
Ein weiterer fundamentaler Baustein für ein erfülltes Leben ist für Adler Selbst-Akzeptanz. Können wir uns radikal so annehmen, wie wir sind? Für die Individualpsychologen ist Aussöhnung mit dem nicht austauschbaren „Ich“ und dessen völlige Akzeptanz unverzichtbar für ein authentisches Sein.
Das Schönste, was eine Fee einem Kind in die Wiege legen kann, sind Schwierigkeiten, die es überwinden muss. (Alfred Adler)
Haben wir den Mut, die Welt völlig ungefiltert anzusehen? Und sind wir couragiert genug, uns im nächsten Schritt einmal selbst richtig anzuschauen?
Akzeptiere, dass du normal bist.
Adler appelliert an uns, den Mut aufzubringen, uns von der Idee zu verabschieden, etwas Besonderes sein zu müssen, und einfach unser freies Selbst zu leben. Mangelt es uns jedoch an Selbst-Akzeptanz, lehnen wir Normalität ab. Denn sie ist für die meisten Menschen gleichbedeutend mit Mittelmaß. Dabei ist Normalität in der Definition Adlers nichts anderes als Erkenntnis, dass wir ohnehin von Geburt an alle einmalig sind. Und somit ist die Einmaligkeit normal. Jeder Einzelne von uns entscheidet eigenverantwortlich darüber, was seinem Sein Sinn verleiht.
Erlaube dir, glücklich zu sein.
Folgen wir Adler, dann ist die Welt einfach – und wir alle können glücklich sein. Sofort. Ohne großen Aufwand. Das Einzige, was wir brauchen, ist ein wenig Mut. Mut, uns mit den gegebenen Lebensumständen anzufreunden. Frieden zu schließen mit dem, was ist. Und uns endlich von den Altlasten unserer Vergangenheit zu verabschieden und auf gegenwärtige Ziele zu konzentrieren. Die Individualpsychologie, die auf Adlers Arbeiten basiert, setzt den Schwerpunkt auf die Gegenwart. Wer sind wir heute, und wie können wir mit den uns zur Verfügung stehenden Talenten, Gaben und Veranlagungen ein Leben führen, das uns erfüllt. Mit dem Fokus auf dem JETZT, ist die Welt ein einfacher Ort. Doch wie passen Herausforderungen, Krisen und all jene Dinge, die unser Leben erschweren, in dieses Konzept? Dazu müssen wir uns laut Adler erst einmal klarmachen, dass es keine objektive Welt gibt. Die Welt ist immer eine subjektive, der wir selbst eine Bedeutung gegeben haben. Es ist schlichtweg unmöglich, genau die gleiche Welt mit anderen zu teilen. Es gibt kein Entkommen vor der eigenen Subjektivität. Im Moment sieht die Welt für uns vielleicht kompliziert und rätselhaft aus, aber wenn wir uns verändern, wird sie uns einfacher erscheinen. Es geht nicht darum, wie die Welt ist, sondern darum, wie wir sind. Unser Leben ist nichts, was uns jemand gibt, sonders etwas, das wir selbst wählen. Und wir sind diejenigen, die entscheiden, wie wir leben. Also – warum nicht einfach glücklich sein?
Annehmen setzt Vertrauen voraus. Und Vertrauen – Glauben. Den unerschütterlichen Glauben daran, dass es gut ist, wie es ist. Das Leben muss im Fluss erfasst werden. Wer es aufhält, um es zu untersuchen, tötet es.