Claudia Haak 

Psychologie

 

Wer bin ich?
Auf der Suche nach unserem wahren Selbst
Sei einfach du selbst, sagt man. Kannst du dich erinnern, wie oft du diesen Rat schon gehört hast, der einem so leicht über die Lippen kommt? Sei es, um Nervosität vor einem ersten Treffen zu lindern, vor einer wichtigen gesellschaftlichen Einladung oder dem ersten Tag an einem neuen Arbeitsplatz. Irgendwann kommt immer jemand mit diesem wohlgemeinten Ratschlag um die Ecke: „Mach dir keine Sorgen, sei einfach du selbst und alles wird gut.“

Allerdings: Wer von uns weiß wirklich, „wer er selbst ist“? Wer oder was ist dieses „wahre Selbst“ überhaupt? Wie sieht unser innerster Wesenskern aus, den wir gelernt haben, so geschickt hinter einer Maske zu verbergen – besonders im Umgang mit anderen. Wer ist die Person, die wir wirklich sind, wenn wir unser Ego und all die gesellschaftlichen Umgangsformen ablegen? All unsere Strategien, mit denen wir Respekt, Anerkennung, Harmonie oder Liebe erreichen möchten?

Viele Menschen gehen durch ihr Leben, ohne jemals zu erkennen, was ihr wahres Selbst ausmacht. Haben wir unsere einzigartige Individualität vergessen? Ist sie uns verloren gegangen in unserem kollektiven Bemühen, es allen recht zu machen? Den Ansprüchen unserer Eltern, unserer Partner, unserer Freunde, unserer Gesellschaft zu genügen. Und all den meist makellosen Bildern zu entsprechen, die uns in Zeitschriften, Filmen und Social Media vorgaukeln, wie man zu sein hat. Heute mehr denn je. Es ist, als sei die Natürlichkeit und Authentizität, mit der wir alle geboren wurden – und die wir als Kinder noch hingebungsvoll, völlig ohne Angst ausgelebt haben – irgendwann unterdrückt, weggepackt, verborgen oder sogar verboten worden. Unsere ureigene Lebendigkeit und Unbefangenheit, die wir tränenreich und mühsam mit unserem „inneren Kind“ wieder versuchen, heil werden zu lassen.

Stattdessen haben wir schon früh gelernt, uns anzupassen, uns verantwortlich zu fühlen und unsere Bedürfnisse und Gefühle zu unterdrücken und zu leugnen. So ist unser wahres Wesen schließlich verkümmert oder hat sich so verzerrt, dass es kaum mehr zu erkennen ist.

Wie viele von uns geben sich ganz anders, als sie eigentlich sind. Wie viele merken dabei überhaupt nicht mehr, wie weit sie sich von sich selbst entfernt haben. Sie spielen eine Rolle, nehmen eine „gespielte Persönlichkeit“ an, die geformt ist durch Konditionieren aus der Vergangenheit, durch die Bewertungen, Erwartungen und Regeln anderer. Im Laufe unserer Entwicklung haben wir so Verhaltens- und Reaktionsweisen angenommen und verinnerlicht, die scheinbar „normal“ sind, uns aber nicht entsprechen. Wir verhalten uns so, wie es uns beigebracht wurde oder wie wir meinen, es würde von uns erwartet. Mit der Folge, dass wir unser innerstes Wesen knebeln, fesseln und im schlimmsten Fall „vergewaltigen“. Das kann im Laufe des Lebens zu vielen Irrtümern und Krisen führen, im schlimmsten Fall auch zu ernsthaften Krankheiten. Denn wir führen ein Leben, das uns nicht entspricht, spielen quasi eine Rolle in einem fremden Film. Und am Ende beschleicht uns das Gefühl, irgendwie fremdbestimmt zu sein. Denn wir lernen Lesen, Schreiben, Rechnen und vieles mehr, aber niemand bringt uns bei, uns selbst zu finden und glücklich zu leben.

Manche aber spüren, dass ihnen etwas verloren gegangen ist und machen sich auf die Suche. In der Hoffnung ihren innersten Wesenskern wiederzuentdecken, um das Leben zu führen, das ihnen wirklich entspricht. Und um zu dem Menschen zu werden, der zu sein sie geboren sind. Es ist ein Prozess der Selbstfindung wieder zu lernen, zu fühlen und zu verstehen, wer wir eigentlich sind. Denn wirklich glücklich können wir nur werden, wenn wir unseren eigenen Weg gehen, unsere eigenen Ziele verfolgen, unsere eigenen Träume verwirklichen und unsere eigenen Bedürfnisse erfüllen.

Auf diesem Weg gibt es viele wertvolle Hilfen, die uns Schritt für Schritt die Augen öffnen können. Ob wir nun eine Psychotherapie machen oder uns mit Astrologie, Tarot, Krafttieren, Engeln, Chakras oder Bachblüten auseinandersetzen, all dies kann uns der Erkenntnis unsers „wahren Selbst“ näherbringen.

Sein Leben und sich selbst nur rein rational zu beleuchten und zu bearbeiten, wird allerdings in den seltensten Fällen erfolgreich sein. Man kann viele Zusammenhänge und Verstrickungen verstandesmäßig begreifen. Aber um wirkliche Veränderungen herbeizuführen, müssen wir immer auch auf einer tieferen, emotionalen Ebene berührt werden und eine Transformation erleben. Nur wenn auch unsere Gefühle in diesen Entwicklungsprozess einbezogen werden, können sich Blockaden lösen. Jeder von uns hat zahlreiche charakterliche Strategien entwickelt, um bestmöglich durchs Leben zu kommen.