Psychologie
Wenn du dich in einer Krise befindest, unter der du leidest oder die dich komplett aus der Bahn wirft, oder wenn ein Mensch dich ärgert, verletzt oder deine Welt mit einem Geständnis seiner Liebe zu jemand anderem aus den Angeln hebt, dann musst du innehalten und fühlen, was es zu fühlen gibt – in dir, denn die Situation da draußen zeigt dir ja etwas über dein Inneres. Es gäbe diesen Schmerz im Außen nicht, wenn es ihn nicht in deinem Inneren gäbe. Er muss sich im Außen zeigen, weil du ihn innerlich verdrängt hast.
Die äußere Situation hat nur den Schmerz hochgeholt, der jetzt auf deinem Lebensweg zur Heilung auf dem Programm steht. Etwas in dir möchte wieder lebendig werden und drückt gegen all deine Abwehrmauern.
Es geht darum, mitzufühlen und gleichzeitig klar zu bleiben und mitten in Angst und Schmerz eine hohe, liebevolle Frequenz zu halten. Sie wie du ein Kind tröstest, wenn es Angst oder sich verletzt hat, ihm aber nicht erlaubst, dich mit Jammern oder Wutanfällen dazu zu bringen, ihm endlos Wünsche zu erfüllen und alle Herausforderungen abzunehmen.
Den Schmerz berühren und annehmen heißt, ihm hier und jetzt mit offenem Herzen ohne Widerstand begegnen und ihn nicht länger verdrängen und kontrollieren. Allerdings ohne dass du ihn immer wieder mit einem Ichgefühl, einer Geschichte und einer Analyse verknüpfst. Genau damit hältst du ihn nämlich am Leben.
In Zeiten des Wandels müssen wir uns immer wieder auf das fokussieren, was wir wollen, bis wir unser Bewusstsein jenseits von all den alten Anfechtungen in einer neuen Version unserer selbst geistig und vor allem emotional halten können.
Wenn du deinen alten, schmerzlichen Gewohnheiten die Energie entziehst und dich deinen Gefühlen stellst, dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis du auch vor Herausforderungen mit den Menschen um dich herum stehst, bei deinen es darum geht, klar und bei deiner inneren Wahrheit zu bleiben. Alle inneren Veränderungen werden auf kurz oder lang auch im Außen auftauchen.
Einer der großen Irrtümer unter uns Frauen ist unser Glaube, wir müssten unsere Vergangenheit aufarbeiten und uns noch immer auf sie beziehen. Frauen denken endlos über Erfahrungen aus der Vergangenheit nach und suchen nach allen Dingen, die einmal belastend gewesen sein könnten, um sich heute damit zu beschäftigen. Bis zu einem gewissen Grad ist es natürlich wichtig, dass wir uns kennen. Aber wenn wir gedanklich und emotional in unseren Geschichten steckenbleiben, dann haben uns diese Geschichten immer mehr im Griff, statt, dass sie sich auflösen.
Während du wieder und wieder an die alte Geschichte denkst, unentwegt Angst davor hast, dass dieses und jenes eintreten könnte, und fortwährend mit dem Symptom beschäftigt bist, glaubt dein Körper, dass er die gleiche, längst vergangene Erfahrung die ganze Zeit weiterlebt. Wird eine Erfahrung durch einen Gedanken oder einen unbewussten Trigger reaktiviert, läuft alles im Körper automatisch ab und fühlt sich so real an, als würde es gerade jetzt passieren. Das sorgt dann wieder für ängstliche und leidvolle Gedanken, und langsam, aber sicher wird dieser unterschwellige Kreislauf zu einem Ichgefühl, dass du in der Vergangenheit gefangen hältst, ohne dass du noch wüsstest, dass du eigentlich frei bist.
Manchmal müssen wir minütlich und sekündlich die Entscheidung für das Neue treffen. Wir müssen uns entscheiden, uns jetzt in diesem Moment gut zu fühlen, auch wenn es sich im Körper noch so schlecht anfühlt. Wir entscheiden uns, dem gewohnten Schmerzkreislauf trotzdem nicht zu glauben und nicht zu folgen.
Der Übergang vom Alten ins Neue ist ein bisschen so, als ob du dir das Rauchen abgewöhnen willst. Du greifst nicht zur Zigarette, obwohl es sich anfühlt, als ob du sterben müsstest, wenn du dir nicht sofort eine ansteckst.
Stelle dir vor, wie das Leben ohne Schmerz ist. Was du dann tust. Was du anders machst. Wovon du dich befreit fühlst. Was dann leicht geht und Freude bereitet.
Wenn du jetzt etwas anderes leben willst, muss sich das ganze System umstellen, und das alte Ich in dir muss regelrecht sterben. Und nichts, was lebt, will einfach so sterben. Auch nicht dein alter Schmerz. Wenn er kommt, grüble nicht, stelle keine Warum-Fragen, bleibe wach, kämpfe nicht dagegen an, sei liebevoll, aber löse dich und gehe voran. Dann zieht dein Gehirn noch ein paar Schnappschüsse aus dem alten Album, und der Schmerz schwingt in den Zellen noch nach, aber das Alte wird sich im Licht des Neuen auflösen.
Sieh den Schmerz in diesem neuen Licht. Er ist unpersönlicher, als du denkst. Jede Angst, jeder chronische oder wellenartig wiederkehrende Schmerz, jede andauernde oder immer wieder herunterziehende schwere Stimmung ist am Ende eine Angewohnheit wie das Rauchen, als etwas, das wir uns, nüchtern betrachtet, einfach durch das Wiederholen automatischer, unbewusster Gedanken, Handlungsweisen und Bewegungsabläufe ebenso antrainiert haben wie den Griff zur Zigarette.