Alles ist jetzt!

Partnerschaft

Wie der „Liebe ist Sicherheit“-Irrtum entsteht

Vielleicht gab es ein Ereignis in sehr früher Zeit, in der das Kind der Mutter für eine gewisse Zeit entzogen wurde. Vielleicht wurde es ihr nach der Geburt kurz an die Brust gelegt und dann wieder weggenommen. Dabei wurde die Entwicklung von Bindungs- und Geborgenheitsgefühlen unterbrochen. Das Unterbewusstsein merkt sich solche ersten Erfahrungen und hat ab dann immer Angst davor, dass die Beziehung abgebrochen wird, sobald zu viel Nähe da ist.

Unterbewusste Muster können nicht nachdenken. Sie können nur ablaufen. Doch sie beginnen sofort damit, sich zu verändern, wenn man versteht, woher sie kommen.

Falls du dich selbst oft nach Sicherheit sehnst: Welche Art von Sicherheit sucht dieser Teil in dir? Dafür muss es einen Grund geben. Vielleicht hast du Angst davor, was geschehen würde, wenn du einfach einen Schritt nach vorn machst. Und dann noch einen. Was genau befürchtet dein Unterbewusstsein dabei? Das ist der Grund, warum du diese Situation angezogen hast.  

Der gute Weg: Was du als Partner tun kannst

Loslassen

Erkenne als Erstes, dass es keine Sicherheit in die Zukunft hineingeben kann, jedoch eine Sicherheit im Hier und Jetzt: Jetzt kannst du ein Ja geben, weil du es jetzt genauso spürst. Und dann kann der andere vielleicht auch ein Ja für das Jetzt geben.

Das Jetzt erkennen

Mehr als euch beide in diesem Moment, wirst du nicht haben, auch wenn der Verstand gern die Ewigkeit sein Eigen nennen würde. In dem Wissen um das Jetzt als einzige Wirklichkeit liegt ein großes Geschenk. Wenn du zugibst, dass ihr beide nicht wisst, was morgen sein wird, nimmst du dieses Geschenk des absichtslosen und furchtlosen Zusammenseins an.

Solche Momente nennt man Hingabe an die Liebe.

Ablauf

Welche Form von Beziehungsabläufen wird eine verborgene Überzeugung hervorbringen, die „Liebe“ und „Grenzen oder Nicht-Grenzen“ miteinander verknüpft hat? Es wird offen oder verborgen immer wieder genau darum gehen: Zu nahe. Zu häufig. Zu bedrängend. Zu wenig Nähe. Zu wenig häufig. Zu unverbindlich. Zu viel Zeit miteinander oder zu wenig. Zu dominierend oder zu zaghaft. Komm her, geh weg… Ständig beschäftigt sich der Verstand damit, wie es wohl „richtig“ sein könnte. Er versucht eine Lösung zu finden, wie die ersehnte Nähe möglich ist, ohne dass die alten Verletzungen aktiviert werden. Und weil frühe Kindheitsprägungen sich durch Nachdenken nicht auflösen lassen, endet das leidige Thema einfach nicht.

Gefühle

Wenn deine persönlichen Grenzen nicht geachtet werden, spürst du Abwehrimpulse, Rückzugsreflexe, Bedrängung, körperlichen Stress oder Druck und Enge auf der Brust. Falls du dieses Verhalten hingegen beim anderen auslöst, kannst du wie über einen Spiegel rückschließen, dass du seine unsichtbaren Grenzen überschreitest.

Abwehrreflex

Sobald es sich „zu nahe“ anfühlt, rutscht der Betroffene in seine Vergangenheit als Kind und wehrt sich gegen den Partner auf dieselbe Weise wie damals gegen den Vater oder die Mutter mit innerem Rückzug, Einsilbigkeit, Ablenkung, Flucht. Oder mit Zurückstoßen. Es ist ein hilfloses, oder selbst gar nicht gewünschtes Verhalten im Umgang mit menschlicher Nähe.

Ein Muster fragt nicht, ob es selbst die Wahrheit ist. Es fragt auch nicht, ob es in diesem oder jenem Moment das Richtige tut. Ein Muster ist einfach nur ein Muster.

Aktiv beobachten

Wahrscheinlich hat es mit der Achtung des persönlichen Raums zu tun. Ganz gleich, ob rein physisch, emotional, zeitlich oder ganz praktisch in eurer gemeinsamen Wohnung. Gegenseitige Achtsamkeit ist euer beider Schlüssel.

Raum geben

Mach dir bewusst: Selbst noch so gut gemeinte Nähe kann vom anderen wie Unachtsamkeit, Nichtverstehen und Übergriff empfunden werden. Jeder Mensch, auch in der liebevollsten Liebesbeziehung, braucht irgendwann Zeit und Raum für sich, damit er regenerieren und atmen kann. Raum geben wann immer er gebraucht wird, und dennoch verbunden bleiben – das ist Freiheit, die mit Liebe zu tun hat.

Liebe bedeutet nicht, persönliche Grenzen überschreiten dürfen. Liebe bedeutet: Persönliche Grenzen besonders respektieren. Achtsamkeit ist der heilende Schlüssel für beide.