Claudia Haak 

Partnerschaft



Kein Gewinn ohne Spiel
Wie lange soll man einer Beziehung eine Chance einräumen? Wann ist es klüger zu gehen, statt auszuharren? Man denkt über die Zukunft nach und weiß doch nur, dass die Vergangenheit nicht das gebracht hat, was man sich damals von ihr versprochen hatte. „Hat unsere Beziehung noch eine Chance?“ Tja, irgendwann kommen diese Fragen, nur nicht die Antworten. Das kann schon damit zusammenhängen, dass man falsch gefragt hat. Was soll das denn heißen, ob eine Beziehung eine Chance hat? Klingt so passiv, als hätte man einen Lottoschein und könnte nichts tun als abwarten. Nur bei der Lotterie ist schnell klar, wann der Schein wertlos geworden ist und weiteres Abwarten sich nicht mehr lohnt. Wenn man schon so fragt, ist die Antwort trivialerweise immer ein „Ja“.

Natürlich hat jede Beziehung immer eine Chance. Das ist sicher. Aber was hilft diese Sicherheit? Die Rente ist auch sicher, nur nicht ihre Höhe. Aber das war das Eigentliche, was man wissen wollte. Wie groß ist meine Chance (Rente)? Und das heißt zugleich: Wie groß ist mein Risiko? Diese Art der Fragestellung führt eher in den Bereich der Wahrscheinlichkeitsrechnung als zu einer Handlungsanweisung, ob man bleiben oder gehen soll. Eine kleine Veränderung in der Frageformulierung könnte dagegen weiterhelfen. Frage statt in der passiven Form „Hat unsere Beziehung eine Chance?“ lieber aktiv. „Wie vergrößere ich meine Chance auf ein glückliches Leben und was vergrößert bei meinem Partner die Wahrscheinlichkeit, dass er ein Teil davon sein möchte?“ Das gibt ganz neue Möglichkeiten, vor allem wenn dein Partner ein Mann ist. Zu unterscheiden ist dann nur noch, ob du ihn schon hast und noch weiter behalten willst oder ob du ihn erst noch (ganz) bekommen willst. Im ersten Fall sitzt du mit ihm in einem (Ruder-)Boot, bei dem jeder auf seiner Seite gleichwertig rudern müsste, um das Boot voran zu bringen. Stellt er seine Anstrengungen ein und lässt sich nicht mehr motivieren, brauchst du deine Schlagzahl nicht zu erhöhen. Der Kahn würde sich nur schneller im Kreis drehen. Du musst lediglich noch abschätzen, ob es deine Chancen auf Glück vergrößert, wenn du ins kühle Nass springst. Das wäre zum Beispiel der Fall, wenn in Sichtweite ein anderer halb besetzter Kahn seine Kreise zieht. Auf jeden Fall legst du selbst fest, wie deine Chancen stehen und welche du ergreifst. Wenn du dagegen erst noch einen Partner (ganz) bekommen willst, musst du etwas anders vorgehen. Du musst ihm klarmachen, dass ER eine Chance hat – und damit auch ein Risiko. Wenn du ihm kein Risiko anbietest, fasst er seine Chance als Option mit beliebig langer Laufzeit auf, die er irgendwann mal ausüben kann, aber nicht muss. Die besten Risiken sind die graduellen, die man täglich spürt, die Unbehagen auslösen und Leidensdruck erhöhen, aber immer noch Möglichkeiten zum korrigierenden Eingriff bieten. 

Zum Beispiel: Konkurrenten im Sinne von Mitbewerbern. Selbst der bornierteste Mann bekommt da mit, dass Inaktivität auf seiner Seite für ihn dann keine Erfolgsstrategie mehr ist. Und du weißt sicherlich, beim Mann geht es immer um den Mann. Da liegt die wahre Chance für jede Beziehung – im Vorhandensein von Alternativen. Wenn ein Mann erkennt, dass du Alternativen hast und bereit bist, sie zu ergreifen, wird er aktiv. Aber überfordere ihn nicht gleich. Immer schön graduell. Mache es nicht so wie beim Lotto (Volltreffer oder gar nix), sondern eher wie bei den Gewinnspielen: Stell deinem Partner Fragen, die er auch beantworten kann, und sage ihm, welche Leitung er bei dir treffen muss. Aber sage ihm auch, dass noch andere anrufen und eventuell durchkommen. Er hat eine echte Chance und mit ein bisschen Engagement und Einsatz kann er sie sogar vergrößern, aber er hat auch ein echtes Risiko, das sich von selbst vergrößert, wenn er nichts tut. Ach ja, in dem Zusammenhang kann man doch noch etwas vom Lotto übernehmen. Erinnere ihn ruhig öfter daran:
„Nur wer mitspielt, kann gewinnen.“