Partnerschaft
Der Sinn der Liebe – Nicht immer einfach zu verstehen
Trennungen sind oft schwer zu verkraften, vor allem, wenn man verlassen wird. Noch schwieriger ist es, einen Sinn dahinter zu sehen, wenn dies nach vielen Jahren geschieht, die eigentlich glücklich waren. Vielleicht verstehen wir es ja gerade noch vom Kopf, aber meist nicht mehr vom Gefühl. Dennoch scheint alles einen Sinn zu haben. Das erkennen wir oftmals mit zeitlichem Abstand. Das Leben ist keineswegs willkürlich und grausam, auch wenn die Wege der Liebe unergründlich bleiben und uns immer wieder überraschen. So oder so.
Manchmal ist die Liebe nicht nur schwer zu verstehen, sie kann sogar tödlich sein, uns in einen dunklen Abgrund des Leids hinabziehen, aus dem es für einige kein Entrinnen mehr gibt. Viele Menschen sind nach Trennungen regelrecht traumatisiert, leiden unter Depressionen, da sie die Welt nicht mehr verstehen. Das plötzliche Verlassenwerden nach zwanzig Jahren Ehe kann Menschen den Boden unter den Füßen entziehen und sie an Allem zweifeln lassen, was ihnen bisher lieb und teuer war. Manche werden Zyniker, die nicht mehr an Gott und die Liebe glauben können, andere greifen zum Alkohol und anderen Drogen. Das Verschwinden eines geliebten Menschen aus dem Leben hinterlässt ein riesiges Loch, ein Vakuum, eine tiefe und blutende innere Wunde, die viel Zeit zum Heilen braucht. Ihn oder sie auf die Schnelle durch Ablenkung oder Verdrängung zu vergessen, funktioniert nicht, das haut nicht hin. Durch dieses dunkle Tal muss man gehen, wenn man von einem Menschen verlassen wird, den man liebt.
Den Sinn dahinter zu sehen, ist schwer, fast unmenschlich, zumindest in der Phase der Loslösung. Doch Menschen, die über das Leben nachdenken und an ihrer eigenen Entwicklung arbeiten, sind im Nachhinein oft dankbar für diese Trennung, die sie wieder zu mehr eigener Stärke führte, die sie geöffnet und wieder empfindsam gemacht hat, die aus ihnen einen lebendigen Menschen gemacht hat, der dem Leben wieder ganz neu entgegentritt.
Wir denken immer, eine Liebe müsste ewig halten und wenn sie aufhört, sprechen wir von Scheitern, spätestens beim Scheidungsrichter. Aber warum Scheitern? Das ist ein altmodischer überholter Ansatz, der nicht mehr in das aufbrechende Wassermann-Zeitalter und den Wandel der Liebe passen will. Eine Liebe kann aufhören. Menschen haben das Recht, nein die Pflicht, sich zu wandeln. Sie dürfen das. Es gehört zum Leben. Und wenn Wege auseinandergehen und die Partner nicht mehr zueinander finden, dann ist der gemeinsame Weg eben nicht mehr möglich. Das heißt aber nicht, dass alles schlecht war, was in dieser Beziehung war. Die vergangene Beziehung hatte einen großen Sinn, alleine dadurch, dass sie zu unserem Leben und unserer Entwicklung gehörte. Sie hat uns Impulse gegeben, die in dieser Zeit wichtig waren. Und das sollten wir schätzen, genauso wie wir auch nach wie vor den Menschen schätzen sollten, der uns verlassen hat und der möglicherweise der Vater oder die Mutter unserer Kinder ist.
Es ist leicht, im ersten Moment vielleicht sogar wichtig, auf Dauer aber einfach nur beschränkt und unreif, den Ex-Partner, von dem man verlassen wurde, als Schuldigen, als „moralischen Untermenschen“ zu bezeichnen. Das kann helfen, sich besser loszulösen. Auf lange Sicht blockiert man sich damit aber nur selbst und schadet Kindern, sofern gemeinsame vorhanden sind, da diese naturgemäß beide Elternteile lieben und von keinem in einen Feldzug gegen den anderen hineingezogen werden wollen. Oftmals würde man sich wünschen, dass Verlassene hier mehr Verantwortungsgefühl hätten, auch wenn ihr eigenes Leid durchaus verständlich ist.
Viele, die verlassen werden, wollten sich vielleicht schon längst trennen und haben den Absprung nicht geschafft, den dann der Partner für sie vollzogen hat. Das gibt es gar nicht einmal so selten. Viele trennen sich auch erst, wenn eine „Alternative“ in Sicht ist, ein Mensch, der sie auffängt, was allerdings häufig reines Wunschdenken bleibt. Wir können uns den Traumpartner nicht selbst kreieren und dann noch möglichst den Zeitpunkt bestimmen, wann er erscheinen soll. Oder nichts dafür tun, dass er erscheinen soll. Oder nichts dafür tun, dass er erscheinen kann. Das geht nicht.
Verlassen werden von jemandem, den man eigentlich schon länger loswerden wollte, ist eigentlich gar nicht so schlimm und dennoch zieht es viele Menschen richtig runter. Warum ist klar: Es ist der Selbstwert, der durch das Verlassenwerden angegriffen wird, vor allem, wenn noch ein Dritter bzw. eine Dritte im Spiel ist. Natürlich erschlägt es regelrecht den Selbstwert, wenn man vom Partner verlassen wird, den man sehr liebt und mit dem man lange in Harmonie verbunden war. Das erschüttert zutiefst.
Die Wege der Liebe sind nicht immer einfach zu verstehen. Trennungen, die wehtun, schon gar nicht. So groß die Dunkelheit danach erst einmal sein mag, so groß ist ihre Chance auf ein noch schöneres Leben. Nun kann der Weg zu einem Menschen beginnen, der irgendwo auf uns wartet und der unsere neue, gereifte Persönlichkeit ganz in sich aufzunehmen, zu schätzen und zu lieben weiß. Das ist zweifellos ein sehr optimistischer Gedanke, der jedoch gar nicht einmal so selten Realität wird. Zumindest in unserer Zeit, in der die Liebe in neue Dimensionen vorstößt, in der die Menschen nach dem Seelenpartner suchen wie noch nie und in der Verbindungen möglich sind, die früher vielleicht durch Beruf und Gesellschafts-stand noch völlig ausgeschlossen waren. Heutzutage gibt es viele Enttäuschte, die aber trotzdem noch an die Liebe glauben und wieder heiraten, auch wenn die Statistik, die aktuell von einer Scheidungsrate von über 50 Prozent in Großstädten spricht, ihnen Träumerei vorwirft. So gesehen bleibt die Liebe ein gefährliches Spiel. Wer sie gefunden hat, besitzt jedoch zweifellos einen sehr viel größeren Reichtum als alle Superreichen der Welt. Denn zwei Dinge können wir uns nicht kaufen: die Liebe und die Gesundheit. Der Grund, warum sich große Lieben erst mit der zweiten oder dritten Ehe oder im fortgeschrittenen Alter finden, liegt zweifellos auch in der gereiften Haltung. Menschen mit Erfahrung wissen, wie wichtig es ist „sich lassen zu können“ und sich gegenseitig zu achten und wertzuschätzen. Das hält nicht nur die Liebe lebendig, das fördert sie zusätzlich, das macht sie erst rund. Nur wenn wir uns innerlich immer wieder aus der Umklammerung lösen können, kann es durch den erneuten Kontakt auch wieder funken. Eine kleine Weisheit mit großer Wirkung. Gibt es nichts Schöneres, als in den eigenen Augen den besten und wundervollsten Partner der Welt zu haben, der an dem einen oder anderen Tag auch mal seine eigenen Wege geht und dabei sogar flirten darf, ohne dass es einen vor Misstrauen und Eifersucht zerreißt? Die innere Gewissheit, dass diese Liebe so stark ist, dass sie nichts erschüttern und entzweien kann, ist etwas, das die Liebe befreit, sie loslöst von Kontrollzwängen und Argwohn. Das ist die Liebe der Zukunft, die wir alle wollen, die allerdings Reife und Bewusstheit erfordert und die innere Gewissheit, den (die) Richtige(n) gefunden zu haben.
Liebe ist also immer auch Arbeit. Das neue Glück kann nur entstehen, wenn wir auch bereit sind, zu lernen. Das ist die Grundvoraussetzung, die das Leben von uns fordert. Jede Trennung ist wie ein schwieriger Planeteneinfluss, der ja übrigens auch ganz real im Zuge dieser auftaucht. Nur diese krisenhaften Lebensabschnitte geben uns die Chance, zu erkennen, was wir in unserer vergangenen Beziehung möglicherweise falsch gemacht haben und was wir in Zukunft ändern können. Trennungen lassen uns radikal an die persönlichen Grenzen stoßen und decken schonungslos unsere Schwächen auf, was uns aber auch wieder weicher und menschlicher macht.
Der Zeitpunkt, an dem sich die Wege von Liebenden kreuzen und wo sie sich treffen, bleibt ein Mysterium, das auch der beste Astrologe nicht lösen kann. Ein Astrologe kann sagen, es besteht eine gute Chance seinen Wunschpartner kennenzulernen, wenn etwa Jupiter, „das große Glück“ wie ihn die alten Astrologen nannten, durch den Bereich der Partnerschaft im Horoskop läuft. Nicht mehr, nicht weniger. Der Zufall selbst ist göttlicher Natur: Zwei Menschen wandeln durch Zeit und Raum und plötzlich kreuzen sich ihre Wege, wenn beide genau an dem Punkt ihrer Entwicklung angekommen sind, an dem eine Liebesbeziehung mit dem jeweilig anderen erst möglich wird. Ist das nicht ein großes Wunder? Müssen wir überhaupt die Liebe verstehen können? Nein, das müssen wir nicht, das ist nicht möglich. Liebe ist einfach Liebe.