Partnerschaft
Drei Paare
Wer bei einer Single-Agentur im Internet nach einem neuen Partner sucht, muss zunächst einen Fragebogen ausfüllen. So erstellt jeder Neuankömmling das Profil seiner eigenen Persönlichkeit. Dahinter steckt die Idee, dass ein Computer auf der Grundlage dieser Angaben möglichst ideale Liebeskandidaten vorschlägt. So funktioniert Partnersuche heutzutage – ganz pragmatisch. Aber ist Liebe wirklich so? Kommt es nur darauf an, dass zwei Menschen möglichst oft an den gleichen Stellen eines Fragenkatalogs ihre Häkchen machen, um gut zusammenzupassen?
Im antiken Griechenland galt die Liebe zwischen zwei Menschen als etwas Heiliges. Liebende waren im Besitz einer Kraft, die so stark war, dass sie nicht nur Paare zusammenhielt, sondern auch tief im Innersten die ganze Welt. Wir hingegen begegnen der Liebe immer öfter als Ware. Und das nicht nur bei Singlebörsen im Internet. Wie also geht das zusammen – einerseits diese sehr pragmatische Grundhaltung in Liebesdingen und andererseits die tiefe Sehnsucht nach einem dauerhaften Gefühl, das zwei Menschen durch ihr gemeinsames Leben trägt? Der amerikanische Paarforscher John Gottman fand heraus, dass eines der gravierendsten Probleme bei modernen Paaren darin besteht, dass es schwerfällt, die eigenen Gefühle in Worte zu fassen. Dabei geht es ihm gar nicht um klassische Liebeserklärungen, sondern vielmehr um die Fähigkeit, dem anderen mitzuteilen, was man gerade empfindet. Denn diese emotionale Kommunikation ist entscheidend dafür, dass eine Liebe über Jahre überdauert und lebendig bleibt, so Gottman.
Dazu gehört allerdings auch die Bereitschaft, sich gemeinsam zu verändern. Denn jedes Paar, das lange Jahre zusammen ist, besteht eigentlich drei Mal: als das Paar, das es war, als es sich kennenlernte, als das Paar, das es jetzt ist, und als das Paar, das es sein möchte oder sein wird. Der rote Faden, der alles verbindet, ist die Offenheit und die Fähigkeit, sich gemeinsam zu entwickeln – ohne dabei die eigene Persönlichkeit allzu sehr einzuschränken. Dann stellt sich womöglich heraus, dass eine erfüllte Liebe keine Frage des Habens ist, auch nicht des Seins, sondern des Werdens.