Partnerschaft
Wahre Liebe lässt frei!
Bevor wir ein Gespräch beginnen oder anfangen, uns verbal beim anderen zu erleichtern und ihm unsere Gedanken, Sorgen, Beschwerden buchstäblich vor die Füße zu werfen, ist es sinnvoll, innezuhalten und sich zu fragen: „Will ich jetzt ein Gespräch führen, oder will ich einfach etwas loswerden? Ist der andere überhaupt bereit oder in der Lage, sich jetzt auf mich zu konzentrieren oder etwas von mir aufzunehmen, oder will er lieber schweigen oder seine Ruhe haben? Was erwarte ich vom anderen, bevor ich anfange zu sprechen: Zustimmung, Mitleid, Aufmerksamkeit, Lob oder einfach, dass er stillhält, wenn ich mich verbal entleere? Nicht wenige Menschen leiden unter „Logorrhö“ – „Sprechdurchfall“. Sie lassen alles ungefiltert durch, was bei ihnen hochkommt, und zwar ohne Rücksicht darauf, was der andere mit diesem Energiesalat anfangen soll – das Gegenüber als Abfallkübel unserer Wortergüsse.
Der Gedanke „Ich habe den richtigen Partner noch nicht gefunden“ wird von Millionen Menschen geglaubt und geht einher mit dem Gedanken „Ich gerate immer (oder oft) an den Falschen!“ Sei dir gewiss: Du bist noch nie an einen falschen Partner geraten – ganz gleich, wie die Beziehung aussah. Denn das Leben kennt keinen Irrtum, keinen Fehler. Es irrt sich nie, wenn es zwei Menschen zueinander führt. Auch dein jetziger Partner ist genau der Richtige, den du im Moment brauchst, denn sonst wäre er nicht da. Und was jetzt da ist in deinem Leben, das will angenommen und verstanden werden. Ob dein Partner in einem Jahr noch dein Partner ist, steht auf einem anderen Blatt; aber jetzt ist er der richtige Partner für dich.
Die Liebe ist das Gesetz Gottes. Ihr lebt, um lieben zu lernen. Ihr liebt, um leben zu lernen. Keine andere Aufgabe wird von Menschen verlangt.
Was wir an uns selbst noch nicht lieben, das präsentiert uns das Leben intelligenterweise in Form anderer Menschen, die unsere Wege kreuzen. Warum macht das Leben so etwas? Weil es im Leben letztlich um das Lieben und die Liebe geht.
Die Frau, die von Männern wiederholt respektlos und lieblos behandelt wird, begegnet sich selbst in ihren Gedanken und Gefühlen auch nicht mit Liebe, Annahme und Wertschätzung. Darum ist die Behandlung durch den Partner einer der wichtigsten Spiegel für die innere Beziehung zu uns selbst. Das trifft für Männer umgekehrt genauso zu.
Ob mit Trauschein und Treueversprechen oder ohne, wir können einen anderen Menschen nie „haben“ oder besitzen. Wir haben auch keine Beziehung, wie wir immer sagen, sondern wir sind in einer Beziehung. Dieses In-einer-Beziehung-Sein ist nie ein statischer Zustand. Vielmehr ist jede Beziehung ein lebendiges, sich ständig veränderndes Energiegebilde – genau wie dein physischer Körper. Alles im Leben befindet sich in ständiger Bewegung und Veränderung. Es gibt keinen Stillstand, alles fließt und alles bewegt sich.
Vielen ist dieser Gedanke unangenehm. Aufgrund der Erfahrungen, die viele in der Kindheit gemacht haben, in der sie sich oft nicht geborgen, allein, einsam, verlassen oder ungeschützt fühlten, sehnt sich das Kind in ihnen nach einem Zustand der Sicherheit. Nachdem unsere Eltern uns diese Sicherheit nicht bieten konnten, hoffen wir nun auf einen Menschen, der uns verspricht, ganz für uns da zu sein und uns nie mehr zu verlassen.
Daher begegnen sich immer wieder ängstliche Kinder in erwachsenen Körpern, schwören sich ewige Treue und hoffen, dass es dieses Mal gut gehen möge. Wir können jedoch weder einen Menschen besitzen, noch kann uns irgendjemand garantieren, dass er auch morgen mit keinem anderen, sondern nur mit uns ins Bett geht. Je größer die Befürchtung, dies könne passieren, desto eher muss genau das eintreten.
Wer weiß, dass er eifersüchtig und ängstlich ist, darf und muss irgendwann die Verantwortung für diese Gefühle übernehmen und seine Verlassenheitswunde heilen, wenn er nicht immer wieder schmerzhafte Erfahrungen machen will.
Wenn jemand fremdgeht, macht es sich unser urteilender Verstand zu leicht, indem er den Schuldigen ausmacht und ihn verurteilt. Vordergründig ist die Sache schnell klar: Er oder sie hat mit einem anderen Menschen Sex gehabt. Also – denken wir – hat er mich verletzt, und ich darf sauer auf ihn sein. Mit Liebe hat das aber nichts zu tun, es ist nur ein unreifes und unbewusstes Verhalten.
Dass sich zwei Menschen in der besten Absicht geschworen haben, sich sexuell treu zu sein, sagt nichts darüber aus, wie es nach einigen Jahren in diesen Menschen aussieht. Jeden Tag verändert sich etwas in jedem Menschen, und das ist in einer Beziehung nicht anders. Wer von seinem Partner fordert, sich an das zu halten, was er vor Jahren versprochen hat, der kann auch gleich von ihm verlangen, sich auf keinen Fall zu ändern. Das jedoch widerspricht dem Leben ebenso wie der Liebe. Im wahren Sinn treu sein kann man daher nur dem eigenen Herzen, der eigenen inneren Stimme. Stellt jemand die Wünsche und Ängste des Partners über die Stimme des eigenen Herzens, verrät er damit sein Herz.
Wenn jemand fremdgeht, dann muss er das tun. Das ist kein dummer Ausrutscher, kein Fehler, keine Charakterschwäche des Betreffenden. Alles, was im Leben geschieht, muss geschehen. Sonst würde es nicht geschehen. Und alles, was geschieht, hat einen Sinn und eine Berechtigung. Wir glauben oft, der andere hätte in diesem Fall die Wahl gehabt, der Versuchung zu widerstehen und die Finger von diesem dritten Menschen zu lassen. Das ist ein Irrtum. Der Mensch hat zwar grundsätzlich die Freiheit der Wahl, in welche Richtung er sein Leben ausrichten will, zum Beispiel in Richtung Frieden, Freiheit, Freude und Fülle. Aber gleichzeitig wirken Kräfte durch uns, die oft stärker sind als der Verstand. Das bedeutet nicht, dass wir gezwungen sind, mit jedem uns attraktiv erscheinenden Menschen ins Bett zu gehen; aber wenn es geschieht, dann soll es auch geschehen. Dann ist es gut, wenn wir uns dieser erotischen Kraft hingeben und die Freuden des Körpers in vollen Zügen genießen können.
Plagen den „Fremdgeher“ anschließend Schuldgefühle und ein schlechtes Gewissen, weil er noch nicht mit ganzem Herzen hinter seinem Handeln stehen kann, ist es seine Aufgabe zu klären, nach welchen Maximen er sein Leben führen möchte, und was ihm diese Erfahrung mitteilen will.
Treiben ihn die Schuldgefühle dazu, dem Partner seinen „Fehltritt“ zu gestehen, dann ist dies häufig der unbewusste Versuch, sich von der Sache zu entlasten. Mit deinem Geständnis belastest du deinen jetzt eingeweihten Partner nach dem Motto: „Ich habe es gestanden. Jetzt kannst du zusehen, wie du damit klarkommst.“ Damit hat der andere das Problem.