Kolumne
Ein Buch zu schreiben ist nicht schwer, es zu verlegen dagegen sehr!
Eines Tages vor vielen Jahren traf ich eine frühere Mitschülerin, die inzwischen als Personal Coach in Unternehmen tätig ist und sie bot mir ein kostenloses Coaching an. Ich brauchte zu dieser Zeit Ideen für meinen weiteren Lebensweg, erschien mir mein Alltag doch mal wieder zu eintönig und eingespielt. Nach mehreren Sitzungen entwickelten wir gemeinsam eine Lösung: Ich wollte schon immer mal ein Buch geschrieben haben, aber wie das mit vielen Dingen so ist, im Alltag gehen Wünsche und Träume oft unter. Die Voraussetzungen dafür waren gut. Aufgrund eines sehr positiven Feedbacks auf meine Artikel in unserer internen Firmenzeitung und meinen kleinen Alltagsgeschichten auf Internetplattformen traute ich mir diese Herausforderung durchaus zu. Blieb nur die Frage: Würde ich auch dranbleiben? Würde ich mich genug disziplinieren können um das Buch auch zu Ende zu schreiben? Immerhin hatte ich nebenbei einen Job und Familie und konnte mich nicht einfach drei Monate auf eine Berghütte zurückziehen und mein Buch schreiben. Rückblickend auf andere „Projekte“ meines Lebens stellten wir fest, ich war beharrlich genug, denn bisher hatte ich alles, was ich angefangen hatte, auch erfolgreich zu Ende geführt. Das Problem lag bei mir eher im zögerlichen Angehen der Dinge, da ich dazu neige vieles im Kopf im Vorfeld zu zerdenken. Gegenargumente gibt es immer und wenn ich die einmal gefunden habe, geht meistens nichts mehr. Ich musste mich also verpflichten, innerhalb der nächsten 72 Stunden mit dem Schreiben anzufangen und mir ein Enddatum setzen. Das tat ich auch: In einem Jahr wollte ich fertig sein.
Das Schreiben an sich hat mich regelrecht berauscht. Es war faszinierend zu beobachten, wie schnell man in eine andere Welt eintauchen kann. Man entwickelt Schöpferkraft, in dem man den Protagonisten Aussehen, Charakter und Handlung verleiht. Alles ist möglich. Mir fiel dabei immer der Spruch von Albert Einstein ein: Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt. Wie wahr! Das Buch habe ich auf meinem Laptop geschrieben. Ich hatte lediglich das Grobkonzept einer Handlung. Die Ideen bzw. Feinheiten kamen automatisch beim Schreiben.
Auf einer Internetplattform gab man mir den Tipp, mir für den weiteren Weg folgendes Buch zu kaufen: „Aus dem Lektorat von Isa Schikorsky.“ Dieses Buch enthält 50 Tipps zum Schreiben und Veröffentlichen. Frau Schikorsky ist promovierte Literaturwissenschaftlerin und Dozentin für kreatives und literarisches Schreiben. Ich arbeitete die Tipps alle durch und hielt mich an die Anweisungen. Als erstes musste ich mein Buch komplett grammatikalisch überarbeiten, insbesondere im Hinblick auf Zeichensetzung und wörtliche Rede. Zwecks Anschreiben der Verlage musste ich außerdem ein Exposé, also eine kurze Zusammenfassung des Inhaltes, sowie eine Kurzbiographie erstellen.
Nachdem ist soweit mit allem fertig war, traute ich mich, mein Manuskript zunächst meinem Mann und dann einer Freundin zum Lesen zu geben. Später kamen andere Familienmitglieder und Freunde hinzu. Die Resonanz war durchweg positiv. Also machte ich mich an den nächsten Schritt und wählte einige Verlage aus dem Internet aus. Nach dem Versand des kompletten Manuskriptes per Post bekam ich recht schnell eine Antwort. Das Manuskript gefalle ganz ausgezeichnet und man habe einstimmig im Lektorat beschlossen, das Buch im Verlag zu publizieren. Berauscht las ich weiter und sah mein Buch im Geiste schon auf dem Ladentisch der Bestseller liegen. Nur aus der Ferne vernahm ich die Stimme meines Mannes neben mir: „Das glaub ich einfach nicht, das wäre doch zu einfach, da ist doch ein Haken:“ Der Haken traf mich dann tatsächlich mit voller Wucht 10 Seiten weiter, als der „Kostenzuschuss“, der auf der ersten Seite eher nebensächlich erwähnt wurde beziffert wurde. Je nach Modell ergab sich eine Kostenbeteiligung zwischen 5.000 und 11.000 Euro. Ich musste mich erstmal setzen.
In dieser Größenordnung bewegten sich auch die anderen Verlage, deren Antwort in den folgenden Wochen eintraf. Jedes Mal gab es eine sehr positive Einleitung z.B. in der Art „Mit großer Freude und Interesse haben wir Ihr Manuskript zum Liebesroman gelesen. Ihre Arbeit überzeugte uns sofort. Sie verstehen es ausgezeichnet, die Leser schon auf den ersten Seiten anzusprechen und deren Neugier zu wecken. "Die Story präsentiert sich harmonisch und strukturiert, in sich geschlossen und authentisch. Sehr gut kann sich der Lesende von Beginn an in die Protagonisten hineinversetzen, die ausdrucksstark und wortgewandt beschriebenen Gefühle und Abläufe nachvollziehen. Sie bieten mit dieser modernen, lebendigen und emotional bewegenden Liebesgeschichte ein tief greifendes, abwechslungsreiches und nachhaltiges Leseerlebnis. Der Leser kann über die Botschaften des Romans nachdenken oder aber einfach die humorvoll-ehrliche und zeitgenössische Lektüre genießen.“ Auf den folgenden Seiten wurde dann ausführlich die notwendige Kostenbeteiligung erläutert, da einen unbekannten Autor und sein Buch bekannt zu machen ein hohes Budget erfordere.
Ich war erstmal bedient und enttäuscht. So hatte ich mir das irgendwie nicht vorgestellt. Meine Recherche im Internet ergab dann, dass es sich um so genannte „Zuschussverlage“ handelte. Als Zuschussverlag (manchmal auch Dienstleisterverlag genannt) bezeichnet man eine Einrichtung, die Bücher gegen Beteiligung an den Herstellungskosten, einen Druckkostenzuschuss, publiziert. Den Zuschuss leisten die Autoren selbst. Seit Ende der 1990er haben sich zahlreiche Verlage ausschließlich und von vornherein auf das Geschäft mit Autoren spezialisiert, die zumeist den Ansprüchen eines Buchverlages nicht genügen würden. Kritiker verweisen auf die Gefahr, dass ein Zuschussverlag bereits durch den abverlangten „Zuschuss“ den erwünschten Gewinn erwirtschafte und in der Folge kein Interesse an der oft aufwändigen Bewerbung und dem Vertrieb des entsprechenden Buches mehr habe. Der in Rechnung gestellte Zuschuss sei im Verhältnis zu den tatsächlich anfallenden Kosten meist nicht angemessen. Das Sortiment aus bestimmten Zuschussverlagen werde vom Buchhandel nicht geordert; dort müsse sich der Autor meist selbst um die Vermarktung kümmern.
Soweit – so ungut.
Es blieben noch die Publikumsverlage. Ein Publikumsverlag ist ein Verlag, der das gesamte unternehmerische Risiko, das im Zusammenhang mit der Herausgabe eines Buches steht, übernimmt.
Der Verlag trägt alle Kosten, die mit der Herstellung und dem Vertrieb zusammenhängen, das sind insbesondere die allgemeinen Vorbereitungskosten, die Druck- und Buchbindekosten sowie die Werbe- und Vertriebskosten. Das Verlagsmarketing übernimmt die vollständige Organisation der Herstellung sowie des Vertriebs und der Werbung durch Pressetermine, Rezensionen und Autorenlesungen. Autoren oder Herausgeber müssen nicht wie bei Zuschussverlagen in Vorleistung treten oder wie bei Pseudoverlagen die gesamten Kosten tragen. In der Regel erhalten Autoren für ihre Veröffentlichung ein Honorar. Publikumsverlage sind die „klassische“ Form von Verlagen.
Ich wusste, da wollte ich hin. Zumindest wollte ich es versuchen. Also machte ich mir die Mühe sämtliche Publikumsverlage anzuschreiben und Ihnen mein Manuskript zur Veröffentlichung anzubieten. Das Experiment zielte auf die Beantwortung der Frage: Ist mein Roman dafür gut genug? Leider erhielt ich nur Absagen. Begründet wurden diese damit, dass die Entscheidung unter dem Aspekt der Integration in das Profil des Verlages gefallen sei und keinesfalls eine Bewertung des Manuskriptes bedeute. Manche Verlage antworteten aufgrund der Vielzahl vorliegender Manuskripte gar nicht.
Nun gab es zum Glück noch weitere Möglichkeiten.
Die klassische Alternative zu sämtlichen etablierten Verlagsformen ist der Eigen- oder Selbstverlag. Die im Eigenverlag herausgegebenen Bücher verursachen zunächst die Kosten, die durch den Buchdruck entstehen, wenn sich der Autor dazu entschließt, sein Buch in dieser Form herauszugeben. Neben den durch den Buchdruck entstandenen Kosten fallen hier noch die Kosten an, die ein Autor bereit ist, für Werbung/Promotion auszugeben. Eine ISBN kann der Autor seinem Werk ebenfalls zuweisen lassen, damit sein Werk auch über den Buchhandel zu erwerben ist. Der Selbstverleger ist weitgehend unabhängig, muss aber sämtliche Arbeiten (Buchhaltung, Vermarktung), die ansonsten vom Verlag übernommen werden, selbst abdecken.
Eine weitere Alternative stellt das Book-on-Demand-Verfahren dar. Dabei zahlt der Autor den Druck der ersten Auflage. Das Buch verbleibt elektronisch beim Verlag und wird on demand – bei Bedarf/auf Anforderung – erneut gedruckt. Manchmal sind verschiedene Dienstleistungen wie Lektorat im Verlagsangebot enthalten, die das Angebot jedoch entsprechend verteuern.
Sie haben sich als Autor für die verlagsunabhängige Veröffentlichung Ihres Buches entschieden, womit Ihnen eine vielfältige Rolle zukommt:
Letztendlich habe ich mich dann für das Book-on-Demand-Verfahren entschieden, da ich kein finanzielles Risiko eingehen wollte. Bei diesem Verfahren kann man in wenigen Schritten sein Buch veröffentlichen. Zunächst muss man sich entscheiden, in welchem Leistungsumfang das Buch veröffentlicht werden soll. Dazu wählt man das passende Servicepaket mit dem entsprechenden Kostenrahmen. Zum zweiten schickt man die Buchdatei an den Verlag und erteilt damit einen Auftrag zur Veröffentlichung des Buches. Dann erhält man eine ISBN, dies ist die Abkürzung für „Internationale Standard Book Number“, denn alle veröffentlichten Bücher brauchen eine ISBN. Für Rückfragen und persönliche Beratung hatte ich eine sehr nette und kompetente Ansprechpartnerin beim Verlag und fühlte mich dort gut betreut.
Zunächst wurden der Buchblock und das Umschlagsdesign bearbeitet und mir zwecks Korrektur übersandt. Dann folgten die sogenannten „Druckfahnen“ anhand des von mir gewählten Layouts, die es zu korrigieren galt. Dies bedeutete, ich musste das komplette Manuskript erneut lesen und auf Fehler absuchen. Interessant und auch beruhigend fand ich den Hinweis des Verlags, dass ein fehlerfreies Buch trotz größter Sorgfalt bei zweimaliger Korrektur die Ausnahme darstellt. Ein Buch von 200 Seiten enthält ca. 400.000 Zeichen, bei 3 falschen Buchstaben bedeutet dies somit eine Genauigkeit von 99,99925 %. Man möge mir somit jeden entdeckten Fehler verzeihen, ich habe mein Bestes gegeben, aber nobody is perfect.
Nach erfolgter Korrektur durch mich erteilte ich die Freigabe und der Verlag erstellte aus meinem Manuskript eine digitale Druckvorlage, aus der ein Ansichtsexemplar meines Buches gedruckt wurde.
Es war ein bewegendes und tolles Gefühl, als ich mein eigenes Buch in den Händen hielt und mich zum Lesen hinsetzte. Obwohl ich natürlich wusste, ich hatte das Buch geschrieben, habe ich das Buch so gelesen, als hätte es jemand anders geschrieben. Erst am Ende kam dieses überwältigende Gefühl hoch „Mein Gott, das hast du geschrieben, ist ja irre!“
Es erfolgte die Druckfreigabe auf der Basis des Ansichtsexemplares. Zwischenzeitlich war das Buch in den Großhandelskatalogen der bedeutenden deutschen Großhändler gelistet und damit flächendeckend im deutschsprachigen Buchhandel und in renommierten Online-Shops als auch als eBook erhältlich.
Mit dem Schreiben und Veröffentlichen des Romans ist es natürlich leider nicht getan. Es muss ja auch gekauft werden. Aufgrund meiner persönlichen Veranlagung eigne ich mich leider nicht wirklich zur Selbstvermarktung, laut meinen Kollegen bin ich viel zu bescheiden. Keine gute Marketingvoraussetzung in einer Welt der Marktschreier und Selbstdarsteller ohne nennenswerte Talente. Wie dem auch sei, ich freute mich über jedes verkaufte Buch und signierte es auch gerne persönlich.
Außerdem habe ich schon die Idee für ein neues Buch. Auf einer Internetplattform wurde ich gefragt, ob man meine kleinen Alltagsgeschichten auch als Buch kaufen könne, denn sie wären amüsant und man würde sich darin wiedererkennen. Nach dem ersten Buch ist vor dem zweiten Buch!